Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung: Verteidigungsansätze

Bei der Verteidigung gegen den Vorwurf der Vergewaltigung kann sich die Verteidigung den Umstand zunutze machen, dass bei der Vergewaltigung  der entgegenstehende Wille des Opfers bis zur Tatvollendung fortdauern muss.
Dies bedeutet, dass der ernstliche innere Widerstand des Opfers bis zur Vollendung der sexuellen Handlungen nachgewiesen sein muss, um eine Tat als Vergewaltigung zu verurteilen.
Geht der Täter also (irrtümlich) davon aus, der Widerstand sei nicht ernst gemeint, liegt ein sog. Tatbestandsirrtum zu Gunsten des Täters vor.
Demnach kann ihm ein entsprechender Vorsatz, d.h. wissentlich und willentlich eine Vergewaltigung zu begehen, nicht nachgewiesen werden.
Die irrige Annahme, der Widerstand sei nicht ernst gemeint, lässt sich insbesondere dann annehmen, wenn das Opfer seinen entgegenstehenden Willen  nicht artikuliert und dem „Täter“ damit Grund für die Annahme seines Einverständnisses gibt.
„Vergewaltigung“-Vorsatz dürfte sich auch dann verneinen lassen, wenn der Täter die Gewalt nur deshalb einsetzt, weil er annimmt, das Opfer auf diese Weise stimulieren zu können, so dass es infolge sexueller Erregung in die sexuelle Handlung einwilligt.

Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung: Verteidigungsansatz minder schwerer Fall
Selbst wenn vom Gesetz nicht ausdrücklich speziell für die Vergewaltigung in Abs. 2 normiert, lassen sich häufig Argumente finden, die die Strafschärfung bei der Vergewaltigung entfallen lassen können.
Diese ergeben sich zumeist aus der Art der Beziehung zwischen den Beteiligten vor der Vergewaltigung.
In diesem Zusammenhang ist vor allen an die Situation zu denken, wonach sich der Täter um  ein ernsthaftes Liebesverhältnis mit dem Opfer bemühte und das Opfer ihm auch dahingehende „Hoffnungen“ machte.
Ein weiterer Grund für eine Strafmilderung für die Vergewaltigung ist, wenn die Beteiligten vor der Tat eine intime Beziehung unterhielten.

 Rechtsanwältin Sexualstrafrecht